Wenn der Verstand dem Aufstand dient

Andacht von John Piper – gelesen von Robin Dammer
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„Der Faule spricht: ‚Es ist ein Löwe draußen; ich könnte umkommen auf offener Straße!‘“ (Spr 22,13) 

Das ist nicht die Formulierung, die ich in diesem Spruch erwartet hätte. Ich hätte eher erwartet, zu lesen: „Der Feigling spricht: ‚Es ist ein Löwe draußen; ich könnte umkommen auf offener Straße!‘“ Doch da steht nicht „der Feigling“, sondern „der Faule“. Die steuernde Emotion ist hier also Faulheit, nicht Angst. 

Doch was hat Faulheit mit der möglichen Gefahr eines Löwen auf der Straße zu tun? Wir würden normalerweise nicht sagen: „Dieser Mann ist zu faul zum Arbeiten, weil draußen ein Löwe herumschleicht.“ 

Worum geht es hier? Der Faule erschafft sich eine imaginäre Situation, die rechtfertigen soll, dass er nicht seiner Arbeit nachgeht. Er lenkt so von seiner Faulheit ab, als läge alles an der Löwengefahr. Niemand wird es unterstützen, dass er aus Faulheit den ganzen Tag zuhause bleibt. Doch man wird vielleicht nachsichtig mit ihm sein, wenn ein Löwe die Straßen durchstreift. 

Eine tiefschürfende Erkenntnis, die wir aus dem Bibeltext ziehen, ist, dass unsere Herzen sich unseren Verstand zu Nutze machen, um vor uns selbst und vor anderen zu rechtfertigen, was wir wollen. Das heißt: Die Dinge, nach denen wie uns am meisten sehnen, stehen noch vor dem rationalen Denken unseres Verstandes. Unsere tiefsten Wünsche bewegen unseren Verstand dazu, die Dinge so wahrzunehmen und einzuschätzen, dass uns unsere Wünsche gut und richtig erscheinen, selbst wenn sie eigentlich falsch sind. 

Das ist, was der Faule tut. Er wünscht sich nichts mehr, als zuhause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Er hat keinen guten Grund zuhause zu bleiben. Was tut er also? Überwindet er seinen schlechten Wunsch – seine Faulheit? Nein, er nutzt seinen Verstand, um sich eine unrealistische Situation auszudenken, die seinen Wunsch rechtfertigt. 

Jesus spricht: „[Das] Licht [ist] in die Welt gekommen [...], und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse“ (Joh 3,19). Wir lieben die Finsternis, weil wir dort tun und lassen können, was wir wollen, ohne entdeckt zu werden. In diesem Zustand wird der Verstand zu einer Finsternisfabrik – einer Quelle an Halbwahrheiten, Wortverdrehereien, Spitzfindigkeiten, Ausflüchten und Lügen. Unser Verstand gibt alles, um die bösen Begierden des Herzens davor zu schützen, dass sie aufgedeckt und zerstört werden. 

Bedenke das und sei weise.