Drei Arten bewusster Evangelisation

Wie die ersten Christen die Gute Botschaft verbreiteten

Artikel von David Kotter
24. Februar 2025 — 8 Min Lesedauer

Die ersten Christen evangelisierten bewusst 

Das Neue Testament zeigt, dass die frühen Christen die Gute Nachricht beständig weitergaben, sowohl an Einzelpersonen als auch an ganze Haushalte, sowohl durch öffentliche Proklamationen auf Marktplätzen als auch durch das geschriebene Wort. Diese Gläubigen nutzten gezielt ihre natürlichen Beziehungen mit den Menschen, die Gott zu evangelistischen Zwecken in ihr Leben brachte.

Eine der besten Illustrationen dieser Eins-zu-Eins-Methode finden wir im ersten Kapitel des Johannesevangeliums. Eines Tages wies Johannes der Täufer zwei seiner Jünger auf Jesus, das Lamm Gottes, hin und beide folgten Jesus (vgl. Joh 1,36–37). Einer der ehemaligen Jünger des Johannes hieß Andreas. Er ging sofort los, um seinen Bruder Petrus zu suchen und brachte ihn persönlich zu Jesus (vgl. Joh 1,40–42). Am folgenden Tag forderte Jesus Philippus auf, ihm als Jünger zu folgen. Philippus wiederum fand Nathanael, der Jesus traf und ihn als Messias annahm (vgl. Joh 1,43–51).

Dieser persönliche Weg der Evangelisation war kein einmaliges Phänomen, sondern eher ein fortlaufendes Muster im Leben von Andreas und Philippus. Als einige griechische Männer Jesus in Jerusalem sehen wollten, waren es Andreas und Philippus, die ihnen den Herrn vorstellten (vgl. Joh 12,21–22). Als fünftausend Menschen hungrig waren, war es Andreas, der einen kleinen Jungen mit seinem Mittagessen zu Jesus brachte, mit einem wunderbaren Resultat (vgl. Joh 6,8–14). Selbst allein in Samaria unterwegs verspürte Philippus kein Zögern, einen Mann in einer Kutsche anzusprechen, um ihm die Gute Botschaft über Jesus zu erklären (vgl. Apg 8,26–40). Dies sind nur einige der unzähligen Beispiele persönlicher Begegnungen in der Kirchengeschichte. Sie zeigen, dass jeder Christ auf persönliche Gespräche vorbereitet sein muss, in denen er anderen Menschen Jesus vorstellt.

Die neutestamentliche Kirche erkannte auch den Wert der Evangelisation in Haushalten an. Viele Gläubige im ersten Jahrhundert waren bereits verheiratet, als sie Christus akzeptierten. Paulus wies sie an, wenn möglich, in ihren Ehen zu bleiben, da es die Hoffnung gab, der ungläubige Partner könne gerettet werden (vgl. 1Kor 7,10–16). Petrus erkannte ebenfalls an, dass der Einfluss einer respektvollen und heiligen Ehefrau ein mächtiges Zeugnis zur Errettung ihres Ehemannes sein könnte (vgl. 1Petr 3,1–2). In gleicher Weise war das Zuhause eine strategisch evangelistische Möglichkeit, Kinder „in der Zucht und Ermahnung des Herrn“ zu erziehen (Eph 6,4). Selbst Sklaven konnten ihren ungläubigen Herren durch ihren aufrichtigen Dienst ein Zeugnis ablegen, während christliche Herren Christus ihren Sklaven zeigen konnten (vgl. Eph 6,5–9). In anderen Worten: Die frühe Gemeinde verstand erweiterte Haushalte (oder auch jede langanhaltende Beziehung) als Möglichkeit, die Liebe Gottes und das Evangelium weiterzugeben.

Die frühe Kirche hatte sich auch der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums verpflichtet. Einige Christen sind auch heute noch zu Straßenevangelisation unter freiem Himmel berufen. Das Neue Testament nennt viele Beispiele von Gläubigen, die öffentlich in Synagogen und auf Markplätzen lehrten (vgl. Apg 2,14–40; 9,20; 13,13–43; 17,19–34). Während nicht jeder Christ zu dieser öffentlichen Proklamation berufen ist, kann jeder Gläubige Pastoren dazu ermutigen, das Evangelium in expositorische Predigten einzubauen.

Die frühen Christen erstellten zudem Literatur, um die Lehren Jesu zu verbreiten und Menschen vom Glauben zu überzeugen. Wir finden viele Beispiele in den Briefen des Paulus, sowie in den vier Evangelien. Johannes schrieb, dass der Zweck seines Evangeliums Informieren und Überzeugen sei: „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,31).

Heute ist das Internet mit Möglichkeiten überfüllt, freundlich und respektvoll von der Hoffnung, die Christen in Jesus haben, zu schreiben und dies zu veröffentlichen. Auf die Frage, welche evangelistische Methode gewählt werden soll, sollte die Anweisung in der Tat lauten: „alle bereits genannten“!

Die frühen Christen nutzten bewusst Apologetik

Die frühen Christen verkündeten nicht nur die gute Botschaft von Jesus Christus, sie boten auch eine Apologetik, die das Evangelium stützte. In diesem Sinne bedeutete Apologetik „vernunftgeleitete Verteidigung“ (nicht zu verwechseln mit dem ähnlich klingenden Wort in der englischen Spache: apology – Entschuldigung). Petrus schrieb: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Ehrfurcht“ (1Petr 3,15–16).

Die frühen Christen verstanden die Kultur und Glaubenssätze ihrer Zuhörer und formten ihre Botschaft, um die Zuhörer, die am offensten waren, zu erreichen. Beispielsweise fand sich Stephanus vor dem jüdischen Rat wieder, der aus Ältesten und Schriftgelehrten bestand, und begann seine Rede mit einer Nacherzählung der Geschichte Israels, um ihnen dann von Jesus zu erzählen (vgl. Apg 7,1–60). Petrus sprach an Pfingsten zu Juden aus aller Welt und nutzte die Propheten des Alten Testaments, um auf Jesus hinzudeuten (vgl. Apg 2,14–40). Paulus ging in die Synagoge in Thessaloniki und „und redete mit ihnen an drei Sabbaten aus der Schrift“ (Apg 17,2). Später, in Ephesus, sprach Paulus in der „Schule des Tyrannus … zwei Jahre lang, sodass alle, die in der Provinz Asia wohnten, das Wort des Herrn hörten, Juden und Griechen“ (Apg 19,9–10).

Evangelisation kombiniert mit Apologetik, das war Paulus gezielter Einsatz. Als er in Athen ankam, begegnete er Philosophen, Epikureern und Stoikern und sprach „täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden“ (Apg 17,17). Um sich besser mit der heidnischen Zuhörerschaft zu identifizieren, zitierte er heidnische Poeten anstelle der jüdischen Schriften (vgl. Apg 17,17–34). Paulus fasst seine Strategie der persönlichen Apologetik folgendermaßen zusammen:

„Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne … Denen ohne Gesetz bin ich wie einer ohne Gesetz geworden … Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, damit ich die Schwachen gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette.“ (1Kor 9,19–22)

Eine der einfachsten apologetischen Erklärungen für die Hoffnung eines Gläubigen ist es, in einem persönlichen Bericht seine eigene Begegnung mit Jesus nachzuerzählen. Das Neue Testament ist gefüllt mit derartigen Beispielen. Als Paulus mit König Agrippa über seinen Glauben sprach, begann er, indem er sein Leben vor der Begegnung mit Jesus beschrieb, als er ein streng religiöser Mann und von Hass erfüllt war (vgl. Apg 26,1–12). Anschließend beschrieb er seine Begegnung mit Jesus auf der Straße nach Damaskus. Obwohl Paulus’ Augen durch gleißendes Licht geblendet worden waren, verstand er in seinem Herzen zum ersten Mal die Evangeliumsbotschaft (vgl. Apg 26,13–18). Paulus’ abschließendes Statement bezog sich auf sein darauf folgendes Leben als gehorsamer Jünger Jesu (vgl. Apg 26,19–23).

Ich schätze Paulus’ Beispiel besonders und möchte alle Gläubigen ermutigen, darüber nachzudenken, ihr eigenes Zeugnis in diese drei Teile aufzuteilen:

  • Wie war dein Leben vor Jesus?
  • Wie war es für dich, Jesus zu begegnen und zum ersten Mal die Botschaft des Evangeliums zu verstehen?
  • Wie ist dein Leben seitdem, nachdem dir vergeben wurde und du Frieden mit Gott hast?

Für jedes persönliche Zeugnis gilt: Nutze einfache Worte und vermeide „Christen-Deutsch“ bzw. „kanaanäische Sprache“ oder christliches Gefachsimpel. Es ist auch hilfreich, ein Zeugnis in genau einer Minute liefern zu können, für ungeduldige Zuhörer (auf meinem Campus wurde eine Stoppuhr für das Trainieren des Zeugnisgebens verwendet), und in etwa fünf Minuten für jemanden, der größeres Interesse an deiner Geschichte zeigt.

Die frühen Christen hielten bewusst durch

Die neutestamentliche Kirche kannte das Herz Jesu und die ewige Tragödie der Verlorenheit. Das motivierte sie, selbst in feindlicher Umgebung, in der Verkündigung des Evangeliums standhaft zu bleiben. Als Paulus errettet wurde, „predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei“ (Apg 9,20), und fühlte eine freudige Verpflichtung, Heiden die gute Botschaft zu verkünden (vgl. Röm 1,14–15). Stephanus arbeitete sich durch die Geschichte Israels, um Jesus zu verkünden, obwohl seine Zuhörer seinen Tod planten (vgl. Apg 7,2–60).

Der Autor des Hebräerbriefes beschreibt die Erfahrungen einiger Gläubiger der ersten Gemeinde:

„Wieder andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erlitten. Sie, deren die Welt nicht wert war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Bergen, in Höhlen und Klüften der Erde.“ (Hebr 11,36–38)

Trotz der Bedrängnis führte die Christenverfolgung zu mehr Gelegenheiten der Evangelisation, denn die „nun zerstreut worden waren, zogen umher und predigten das Wort“ (Apg 8,4).

Die ersten Gläubigen waren nicht überrascht, dass sie in einer Welt, die Gott feindlich gegenüberstand, wegen der Verkündigung des Evangeliums verfolgt wurden. Außerdem entsprang ihr Selbstbewusstsein aus Jesu letzter Aussage des Missionsbefehls: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20). Christen heute sollten sich von einer feindlichen Welt nicht abschrecken lassen, sondern vielmehr Verfolgung erwarten, wenn sie das Evangelium Christi verkünden. Selbst am Ende der Zeit können wir die Gute Botschaft mit Selbstbewusstsein verkünden, indem wir uns daran erinnern, dass Jesus bei uns ist.