Drei Dinge, die du über das Buch Obadja wissen solltest

Artikel von Max Rogland
25. Februar 2025 — 4 Min Lesedauer

Die Prophezeiung Obadjas kann leicht übersehen werden, da sie das kürzeste Buch des Alten Testaments bildet und zudem in dem eher unbekannten Terrain der kleinen Propheten versteckt liegt. Die Grundkenntnisse über das Buch Obadja können schnell erlernt werden, da es nur ein oder zwei Minuten dauert, es zu lesen.

Der Prophet verkündet das Gericht Gottes über die Nation Edom (vgl. Obd 1–4; 8–10), ein kleines Land, das sich in Bequemlichkeit und Sicherheit wähnte und dadurch sehr stolz wurde (vgl. Obd 3; 12). Die Gründe für diese Selbstsicherheit waren zweierlei: Zum einen handelte es sich bei ihrem Wohnort um ein gebirgiges Land, das aus menschlicher Sicht leicht zu verteidigen gewesen wäre (vgl. Obd 3–4). Außerdem stand Edom (oft mit seiner Hauptstadt Teman bezeichnet) in dem Ruf, große menschliche Weisheit zu besitzen (vgl. Obd 8–9; Jer 49,7). Edom hatte also alle strategischen Vorteile, die seinen Bewohnern ein sicheres Leben ermöglichten. Dennoch verkündet Gott, dass das Gericht über die Edomiter kommen wird, nicht nur, weil sie es versäumt haben, den Judäern zu helfen, als die Babylonier sie angriffen (was in der Zerstörung Jerusalems und dem Exil 587/586 v. Chr. gipfelte), sondern mehr noch, weil sie den Eindringlingen aktive Hilfe leisteten, indem sie fliehende Judäer gefangen nahmen und sie auslieferten (vgl. Obd 11–14; Ps 137,8–9; Hes 25,12; 35,5). Neben diesen Gerichtsreden verspricht Gott auch, dass sein Volk durch seine königliche Macht befreit und auferstehen wird (vgl. Obd 17–21).

Die folgenden drei Dinge über das Buch Obadja können uns helfen, seine Botschaft besser zu verstehen.

1. Obadja zeigt die Erfüllung der Verheißung Gottes an Isaak: der Ältere (Esau) wird dem Jüngeren (Jakob) dienen (vgl. 1Mose 25,23)

Die Völker Edom und Israel stammen von Esau und Jakob ab (vgl. 1Mose 36,1–43; 49,1–28). Wie schon die Brüder Esau und Jakob in Konflikt standen (vgl. 1Mose 27,41–45), so war auch die Beziehung zwischen den Völkern, die aus ihnen hervorgingen – Edom und Israel – von Spannungen geprägt. Obwohl er unehrlich und betrügerisch war, erhielt Jakob das Erstgeburtsrecht und den Segen, der seinem erstgeborenen Bruder zustand (vgl. 1Mose 25,29–33; 27,1–40). In ähnlicher Weise wurde Israel die Vorherrschaft über die Edomiter (vgl. 4Mose 24,18–19) gewährt (vgl. 1Sam 14,47; 2Sam 8,11–14; 1Kön 22,47; 1Chr 18,11). Gottes Handeln an Jakob und Israel zeigt seine unverdiente Gunst gegenüber den Unwürdigen (vgl. Mal 1,1–4; Röm 9,10–16).

2. Obadja „teleskopiert“ Gottes Gerichtshandlungen und Rettungstaten, sodass eine scheinbare Gleichzeitigkeit entsteht

Obadja spricht nicht nur vom Gericht über Edom, sondern auch vom „Tag des Herrn“ (Obd 15), der Gericht über alle Völker (vgl. Obd 16) und Befreiung für das Volk Gottes (vgl. Obd 17) bringen wird. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden diese Ereignisse gleichzeitig stattfinden. Die biblischen Propheten fassen jedoch regelmäßig Gottes Gerichts- und Heilshandlungen zusammen, ähnlich wie man ein verlängertes Teleskop zu einer kompakten Einheit verkürzt. Diese Ausdrucksart lässt sich als „prophetische Verkürzung“ oder „Teleskopierung“ bezeichnen, und wenn man sich dieser Technik bewusst ist, kann Verwirrung vermieden werden. Wenn man dieses typische Merkmal von Prophezeiungen berücksichtigt, wird erkennbar, dass die Erfüllung von Obadjas Prophezeiung zu verschiedenen Zeiten stattfindet. So hat beispielsweise die Zerstörung Edoms bereits stattgefunden, wohingegen der Gläubige noch auf den „Tag des Herrn“ wartet, der alle Völker zum Gericht rufen und die vollkommene Erfüllung des Heils für die Gemeinde bringen wird.

3. Obadja wird zwar im Neuen Testament nicht direkt zitiert, aber findet seine Erfüllung in Jesus

Obadja wird, ebenso wie einige andere alttestamentlichen Bücher (z.B. Ester und Zephanja) im Neuen Testament nicht zitiert. Dennoch zeigt die Heilige Schrift, dass sich Obadjas Prophezeiung auf überraschende Weise erfüllt hat. Im Laufe der Zeit wurden die Edomiter von fremden Mächten unterworfen. Dem jüdischen Historiker Josephus zufolge gerieten sie erneut unter jüdische Herrschaft und wurden im späten zweiten Jahrhundert v. Chr. von Johannes Hyrkanos (einem hasmonäischen Herrscher und jüdischen Hohenpriester) zur rituellen Beschneidung gezwungen (vgl. Jüdische Altertümer 13.257). Infolgedessen begannen diese „Idumäer“, wie sie genannt wurden, in der Bevölkerung von Judäa aufzugehen. Der Verlust ihres angestammten Landes und ihrer nationalen Identität erwies sich als Segen, denn die Menschen aus Idumäa gehörten zu denen, die in die Nachfolge Jesu, des Messias, traten (Mk 3,8–9). Damit bestätigte sich, was in Kolosser 3,11 steht: „[W]o nicht Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit, [noch] Barbar, Skythe, Knecht, Freier – sondern alles und in allen Christus.“

Wie Obadja verkündet hatte, wurde die Befreiung auf dem Berg Zion gefunden (vgl. Obd 17), d.h. bei dem Volk, das Jesus, dem Vermittler eines besseren Bundes, nachfolgt (vgl. Hebr 12,22–24).

Im Buch Obadja bewahrheitet sich das alte Sprichwort: „In der Kürze liegt die Würze!“